„Du verstehst das eh nicht!“

ElternKompass

„Du verstehst das eh nicht!“

Wenn dein Teenager denkt, du kommst aus der Kreidezeit

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21.02.2026

Kennst du das?

Du willst nur mal kurz wissen, wie der Tag war. Fragst ganz harmlos: „Na, wie war die Schule?“ Dein Teenager: Augenrollen, AirPods rein, Zimmer zu. 

Und da stehst du. Vor verschlossener Tür – akustisch, emotional und manchmal auch ganz real.

Die Person, die dir früher mit Marmelade im Gesicht „Mamaaa, ich hab dich lieb!“ ins Ohr gebrüllt hat, hält dich jetzt für peinlich, alt und maximal inkompetent in Sachen WLAN.

Herzlichen Glückwunsch!
Dein Kind ist in der Pubertät. Und du bist… nun ja, nicht mehr die Hauptfigur im Leben deines Kindes. Sondern eher Requisite. Oder das W-LAN-Passwort auf zwei Beinen. 

Blick ins Fernrohr - Wenn Nähe zur Herausforderung wird (und du trotzdem gebraucht wirst)

1. Du bist von HeldIn zu Hotel geworden
Früher: Du warst das Zentrum. Das Tröstungskissen. Die Allwissende. Heute: Du bist das stille Servicepersonal, das Essen liefert, Wäsche macht und bitteschön nicht unangekündigt ins Zimmer kommt.

Aber weißt du was? Dein Kind liebt dich immer noch – es zeigt es nur gerade anders. Also, lautlos, genervt und mit Türknallen.

2. Die emotionale Achterbahn – und du hast kein Sicherheitsbügel
Pubertierende sind wandelnde Hormoncocktails: morgens Weltuntergang, mittags Weltrevolution, abends Weltflucht. Und du? Hängst irgendwo zwischen Mitgefühl, Selbstzweifel und dem Bedürfnis, das WLAN kurzzeitig abzustellen, nur um mal einen klaren Satz zu hören.

3. Kommunikation auf einem neuen Level- unterirdisch
Du stellst eine Frage. Antwort: „Keine Ahnung.“ Du gibst einen Ratschlag. Antwort: „Du checkst gar nichts!“ Du machst einen Witz. Antwort: „Cringe, Mama.“ Aber, Dein Kind hört dir trotzdem zu. Es speichert, was du sagst – auch wenn es dir die Augenbrauen entgegenwirft. Deine Haltung, deine Ruhe, dein Vertrauen – das wirkt. Auch durch geschlossene Türen hindurch. 

Navigationshilfe für Eltern mit TeenieKompass

1. Weniger ist manchmal mehr
Statt Fragenkatalog à la „Wie war Mathe? Was gab’s zu essen? Wer war nett ?“, reicht manchmal ein: „Ich bin da, wenn du reden willst.“

Spoiler: Manchmal passiert das um 22:43 Uhr. Mitten im Chaos. Halte Snacks bereit.

2. Lass den Kontakt nicht abreißen – auch wenn er stachelig wird
Teenager sind wie Igel. Sie brauchen Nähe, wissen aber selbst nicht, wie sie sie zeigen sollen. Ein „Komm, wir gucken was zusammen“ kann mehr bewirken als zehn Gespräche am Küchentisch.

3. Dein Job ist nicht „gemocht werden“. Dein Job ist „da sein“.
Du wirst nicht immer die Beliebte sein. Aber du bist die Konstante. Die, die bleibt, wenn alles andere wankt. Dein Kind weiß das – auch wenn es gerade so tut, als wärst du von einem anderen Planeten. 

Schatzkiste für Pubertäts-PilotInnen

- Augenrollen ist kein Angriff – es ist ein pubertärer Reflex.
- Du musst nicht alles verstehen – du musst nur präsent sein.
- Liebe in der Pubertät heißt manchmal: Pommes servieren, schweigen, und trotzdem lächeln.

Und wenn du abends im Wohnzimmer sitzt, das Handy in der Hand, und dich fragst, ob du eigentlich noch relevant bist – dann denk dran: 

Du bist nicht die Pointe dieses Lebensabschnitts. Du bist der sichere Rahmen, in dem dein Kind seine Story neu schreibt. Und irgendwann – vielleicht zwischen Abi und Auszug – kommt dieser Moment, wo dein Teenie sagt: „Mama/ Papa… weißt du noch damals?“

Und du wirst lachen. Vielleicht weinen. Und ganz sicher: stolz sein. Denn du warst da – auch durch das Augenrollen hindurch.

Madlen Haß
Mail: kontakt@madlen-hass.de