Probleme an Weihnachten meiden

Weihnachtliche Grüße

Probleme an Weihnachten meiden

Weihnachten: 5 Tricks, um Clinch zu vermeiden.

Fliegen Weihnachten in der Familie die Wort-Fetzen, hilft manchmal der abrupte Themenwechsel mit fast absurden Fragen. Beispiel: „Sollte man nur noch Regionalbahn fahren?“ Foto: Christin Klose/dpa-mag

22.12.2025

Können Sie sich noch erinnern, wie freudig Sie als Kind Weihnachten entgegengefiebert haben? Ein paar Jahrzehnte später schießt der Stresslevel mit jedem Tag näher am Fest durch die Decke: Geschenke besorgen und verpacken, Plätzchen backen, Wohnung dekorieren, Menü planen, Gans oder Karpfen ordern, Tischdeko und Tannenbaum besorgen und natürlich schmücken. Ach ja, wenn die Verwandtschaft dann noch anrückt, sollte auch die Bude in Schuss sein - genau wie man selbst. Also Friseur, Maniküre und Wimpernstudio einplanen, um dort wie auf Kohlen zu sitzen, weil das Jahresende auch noch Überstunden im Job erfordert. Doch das ist noch nicht alles. Diversen Weihnachtsfeiern mit Kids und Co. sowie andere Treff-Rituale mit alten Klassenkameraden oder Skatrunden will man auch nicht absagen... So oder so ähnlich ausgepowert liegen bei vielen spätestens an Heiligabend die Nerven blank. «Das macht empfindlich und angreifbar», sagt Piroska Gavallér-Rothe, Trainerin für Wertschätzende Kommunikation. In dieser Verfassung sei man nur einen Funken weit entfernt vom nächsten Krach. Die Expertin aus dem Schweizer Salenstein rät deshalb, To-Do-Listen radikal zu verschlanken. 

1. Stress entlarven Machen Sie einen Check: «Was sind die Zeitesser im Advent und an Weihnachten?» Piroska Gavallér-Rothe gibt Frage-Anstöße: Was war schon im letzten Jahr nicht so prickelnd? Muss das übliche Treffen mit alten Klassenkameraden immer im Dezember sein? Geht das nicht auch im Sommer? Können nicht Oma und Opa mit zur Kitafeier? Müssen wirklich dringend noch Plätzchen gebacken werden?

2. Kreative Stoppschilder gegen Giftpfeile Aber auch mit einer entrümpelten Adventszeit droht statt dem ersehnten harmonischen Fest viel Ungemach. Oft reicht eine blöde Bemerkung oder ein fieser Giftpfeil und der süße Duft nach gebrannten Mandeln und Glühwein vermischt sich mit dicker Luft.

Dagegen schlägt Gavallér-Rothe ein Familienprojekt vor: Basteln Sie zusammen lustig gestaltete Reminderschilder, die überall in der Wohnung bereitstehen. „So kann man humorvoll und ohne laut zu werden zum Ausdruck bringen, dass sich jemand gerade einem Minenfeld nähert.“ Auf den Schildern könnte etwa stehen: „Adventsgefahrenzone“ oder „Kurz mal Pause machen!“ 

3. Wo wird gefeiert? Das legt Jahresprogramm fest Laut einer YouGov-Umfrage bestätigt jeder Vierte, dass es an Weihnachten in der Beziehung immer oder gelegentlich zu Streitereien kommt. Jeder dritte Streit (34 Prozent) dreht sich dabei um den Ablauf und die Organisation der Weihnachtstage. Also ist schon die Frage, wo das Fest verbracht werden soll, ein Minenfeld.

„Viele empfinden es so, dass sie keine Wahl haben und die Erwartungen der Eltern bedienen müssen. Jeder Partner kämpft dabei dann um sein Pflichtprogramm“, erklärt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Sein Rat: „Wer diese Diskussion nicht alle Jahre wieder haben möchte, macht aus dem Pflicht- ein Jahresprogramm.“ So legt man am Anfang des Jahres fest, wo Ostern und Weihnachten verbracht werden - und das wechselt dann jedes Jahr zwischen Eltern und Schwiegereltern. 

4. Weniger Perfektion, mehr Gelassenheit Weil laut Krüger jede dritte Trennung nach Weihnachten vollzogen wird, spricht er sogar vom «Fest des Streits». Die Gründe dafür lägen auf der Hand: «Die Ursache ist, dass zu Weihnachten Menschen mit lauter ungelösten Konflikten zusammenkommen. Man besucht sich meist nicht aus Sympathie, sondern weil Anwesenheitspflicht herrscht.»

Das sei wie eine Theatervorstellung, bei der im Drehbuch stehe, dass es friedlich und harmonisch ablaufe. „Das muss einfach scheitern!“, sagt Wolfgang Krüger. „Da spielen auch völlig surreale Erwartungen mit rein“, sagt Piroska Gavallér-Rothe. Man solle sich klar machen: «Weihnachten ist wirklich nur in der Werbung und in Hollywoodfilmen perfekt.» Daher brauche es fürs Fest bei Otto Normal mehr Gelassenheit und weniger Perfektion. Wolfgang Krüger empfiehlt sogar, mit Streit zu rechnen.

5. Der Fremde an der Festtafel Krüger hat noch einen kreativen Tipp, um sich dem üblichen Clinch zu entziehen: „Laden Sie sich einen Freund oder eine Kollegin mit ein! Sobald jemand Fremdes mitfeiert, hört die vertraute Dynamik auf.“ Das sei wie eine Schere im Kopf. Alle reißen sich zusammen, weil sie denken: Was wird der oder die sonst über uns sagen? dpa