Kennst du das?
Du willst gerade zur Tür raus, noch schnell zur Arbeit – da steht dein Kind mit dem zerknitterten Ausflugzettel in der Hand und behauptet feierlich: „Den hab ich dir schon gestern gezeigt!“ Und du weißt mit hundertprozentiger Sicherheit: Nein, hast du nicht. Nicht mal ansatzweise.
Und da ist sie, die große Frage, die sich Eltern dann stellen: Warum lügt mein Kind? Ist das jetzt der Beginn einer Karriere als Trickbetrüger? Muss ich es jetzt direkt für einen Workshop bei Sherlock Holmes anmelden?
Blick ins Fernrohr - Was hinter der kleinen Unwahrheit steckt

1. Kleine Lügen, große Entwicklung
Lügen in der Grundschule sind oft kein Zeichen von Bosheit – sondern von wachsendem Verstand. Dein Kind hat begriffen, dass es unterschiedliche Realitäten gibt, und testet, wie die Welt auf alternative Fakten reagiert. Willkommen im Gehirnjogging deines Kindes.
2. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Manchmal ist es gar keine bewusste Lüge, sondern ein Hauch Fantasie mit einer Prise Hoffnung: „Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“ klingt zwar ausgedacht, aber vielleicht hatte dein Kind einfach einen schlechten Tag und wünschte sich eine magische Ausrede.
3. Angst vor Konsequenzen
Wenn Kinder lügen, tun sie das oft aus Angst. Nicht vor dir als Person, sondern vor der Reaktion. „Wenn ich ehrlich bin, gibt‘s Ärger.“ Das heißt: Je gelassener du auf die Wahrheit reagierst, desto mehr wird sie dir geschenkt.
4. Ehrlichkeit lohnt sich (aber nur, wenn sie sicher ist)
Kinder lernen, ob Wahrheit belohnt wird – oder ob sie sich eher lohnt, wenn sie schön verpackt ist. Deshalb: Lob für Ehrlichkeit. Auch wenn sie unbequem ist. „Danke, dass du es mir gesagt hast.“
5. Gespräch statt Verhör
„Warum hast du das gesagt?!“ führt selten zur Wahrheit. Versuch lieber: „Was war da los?“ oder „Wie hast du dich dabei gefühlt?“ Neugier statt Anklage – das öffnet Türen statt sie zuzuschlagen.
Schatzkiste für wahrheitsliebende Eltern
Erinnere dich: Lügen sind ein Zeichen von Gehirnakrobatik. Dein Kind denkt, verknüpft, erfindet.
Sei das sichere Gegenüber. Wer die Wahrheit hören will, muss sie auch aushalten können.
Erzähle von deinen eigenen Kindheits-Fantasien. Das macht euch nahbar und menschlich.
Und wenn du wieder am See sitzt, den Schulranzen im Flur und die Wahrheit auf dem Sofa neben dir, dann erinnere dich: Auch Ehrlichkeit ist ein Weg. Kein gerader. Aber einer, den ihr gemeinsam geht. Mit Vertrauen, Humor – und einem kleinen Augenzwinkern.